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The Stamp of Fantasy: The Visual Inventiveness of Photographic Postcards

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Die Fotografie als Motiv der Postkarte oder Postkarten als zu Grunde liegendes Format für Fotografie – dieser Ausstellungspublikation gelingt es, um beide Herangehensweisen einen gemeinsamen Rahmen zu spannen: Den des Einfallsreichtums. Der Stempel – oder passender auch die Briefmarke – der Fantasie haftet dabei jedem der abgedruckten Werke an. Der Band nähert sich dem Thema mit historischem Interesse, ausgehend vom Ende des 19. Jahrhundert, als Fotografie und Postkarte in den Kinderschuhen steckten und sich gegenseitig als Motor dienen konnten. Dabei steht nicht die Korrespondenz im Vordergrund, auch wenn das Medium Postkarte seinen Zweck spürbar nicht aus den Augen verliert, sondern vielmehr die Illustration der Motive und die mit ihr verbundene Kraft der Fantasie. Diese kann durchaus unterschiedliche thematische Bezüge haben: Die klassische Postkarte mit Stadtmotiv oder die mit lustigem Spruch passend zu einem bestimmten Anlass ist ebenso vorhanden wie humorvolle Abbildungen oder Aktfotografien oder heutzutage gänzlich aus dem Bewusstsein verschwundene Motive, wie das gestellte Familienfoto im Auto oder im Flugzeug. Selbst Sport und Liebe finden Platz auf den Vorderseiten.

Drei historische Entwicklungsstufen und unterschiedliche Formate der Postkarte werden im Buch unterschieden: Zunächst werden Postkarten präsentiert, die professionelle Verlage vor kommerziellem Hintergrund publizierten und die insbesondere durch ihre fantastische, oft humoristische Bildsprache bestechen. Kuriositäten treffen Porträts, Spruchkarten treffen solche mit künstlerischem Anspruch. Im Gegensatz dazu wirken die im Fotostudio, in einem kleineren Rahmen und in einer fast privaten Aufnahmesituation, entstandenen Postkarten bewusst gestellt und inszeniert. Den von Amateuren gefertigten Postkarten wiederum sieht man am deutlichsten ihre individuelle Herkunft sowie ihren persönlichen Zweck an: Beispielsweise füllen Collagen aus Texten, Bildern oder Zeichnungen sowohl Vorder- als auch Rückseite.

Nicht nur Werke renommierter Künstler, wie beispielsweise Salvador Dalí und Man Ray verdeutlichen die Funktion der Postkarte als Inspirationsquelle und Leinwand. Arbeiten weniger bekannter Künstler, die ebenso mit Bild- oder Text-Collagen, mit Coloration oder Fotomontagen experimentierten, unterstreichen die Bedeutung der Postkarte als breites Kommunikationsmittel. Dadurch wird ein weiterer Zweck des Mediums hervorgehoben: Die Postkarte als Sammlerobjekt. Zusammenhängende Motivreihen und die Darstellung ganzer Erzählstränge veranschaulicht die Sammelwut nicht nur der Künstler, sondern insbesondere der Massen.

Alle drei Kapitel des Werkes behandeln den Bezug ihrer Abbildungen zum Erfindungsreichtum, mag er einem wirtschaftlichen, einem persönlichen oder künstlerischen Anspruch entspringen. Eingerahmt wird diese Reise für den Betrachter durch Vorworte der Herausgeber sowie den Essay „The small change of art“ von Clément Cheroux. Dieser fasst die zuvor durch Abbildungen aufgezeigte Entwicklung der illustrierten Postkarten, im Besonderen der fantastisch und fotografisch gestalteten Postkarten, zusammen und bildet so für den interessierten Leser einen gelungenen und runden Abschluss.

The Visual Inventiveness of Photographic Postcards. Clément Chéroux, Ute Eskildsen (Hrsg.). Ausstellungspublikation. Fotomuseum Winterthur. Steidl 2007. Beiträge von Urs Stahel & Marta Gili. Englisch. 216 Seiten mit 345 s/w Abb. 29,7 x 29,7 cm. 2,1 kg. Fester Einband mit Schutzumschlag. 9783865216083. art-06639. Auch bei artbooksonline.eu

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