Drei Fragen an...

Gesa Lange: Sammlung Minna Menz (2016)

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Ein Gespräch zwischen der Künstlerin Gesa Lange und der Kunsthistorikerin Kathrin Barutzki zu Gesa Langes aktuellem Künstlerbuch Sammlung Minna Menz (2016) für www.on-artbooks.com

Fakten zum Buch

Titel: Sammlung Minna Menz
Jahr: 2016
Bindung: Schweizer Broschur mit Fadenbindung
Seiten: 76 verschiedene Papiere und Materialien, zwei Papiere kleineren Formats
Fotografien: 3 eingelegte s/w-Fotografien auf Barytpapier
Auflage: 50 (+20 AP-Exemplare) mit 50 Unikaten (Zeichnungen auf Leinwand, je 1 Unikat pro Buch), nummeriert, signiert, datiert mit einem Begleittext von Mela Dávila Freire (deutsch/english)
Druck: Offsetdruck und Handsiebdruck mit Sonderfarben
Produktion/Verlag: Materialverlag-HFBK
Format/Größe: 30 x 40 cm
Preis: 900 €



KB:
Am 22. November 2016 wurde Dein kurz zuvor fertiggestelltes Künstlerbuch Sammlung Minna Menz auf der Tagung „Bitte umblättern – Künstlerbücher im Einsatz“ in der Hamburger Kunsthalle präsentiert, die ein Exemplar des Buches in ihrer Sammlung besitzt. Beim ersten Durchblättern hat mich das Buch vor allem aufgrund seiner Material- und Formvielfalt sowie der aufwendigen Produktion mit Unikat-Zeichnungen in jedem der insgesamt 50 Bücher beeindruckt. Von der spannenden Geschichte hinter der Entstehung des Buches erfährt man erst durch den Text von Mela Dávila Freire, der jedem Buch in Form eines kleinen Heftchens beiliegt. Wer bzw. was steht hinter der Sammlung Minna Menz? Wie bist Du auf Idee zu dem Buch gekommen?

GL: Das Buch ist das Resultat einer langen künstlerischen Auseinandersetzung mit einem Raum, den ich vor genau 14 Jahren durch einen Zufall entdeckte.
Während des Besuches einer befreundeten Familie erkundete ich das ca. 4000 qm große Grundstück des Onkels, auf dem neben dem Haupthaus mehrere Gebäude, Ställe und Schuppen standen. Mir fiel auf, dass sich in den Gebäuden immer noch Gegenstände aus vergangenen Zeiten befanden. Nachdem ich sämtliche Gebäude untersucht und ausgiebig fotografiert hatte, fragte mich der Hausherr, ob ich denn schon das Zimmer der Großmutter Minna Menz entdeckt hätte.
Gemeinsam betraten wir einen Raum von 20 qm Größe. In diesem Zimmer schien die Zeit stehengeblieben zu sein. In einer der Ecken stand ein altes und sorgsam gemachtes Krankenbett mit Decken, Kissen und Überdecken. Es gab zwei Schränke, in denen Kleider aufgehängt waren. In einem weiteren Schrank standen Porzellan und Geschirr aufgereiht. Es gab zwei Tische, einen mit einer Spitzentischdecke und einen anderen mit einer rotweißkarierten Plastiktischdecke, um die vier Stühle und zwei Sessel standen. An den Wänden hingen in drei Reihen jeweils vier Gehörne. Über dem Bett befand sich eine alte Malerei in einem goldenen Rahmen. So schien der Raum auf den ersten Blick so eingerichtet zu sein, als warte er auf die Rückkehr seiner Bewohnerin.
Auf den zweiten Blick bemerkte man jedoch den unbewohnbaren Zustand des Zimmers. Die Verkleidung der Wände und der Decke bestand aus Spanplatten, die von Feuchtigkeit gezeichnet waren. Überall zeigten sich kleine Wasserränder und an einigen Stellen war die Verkleidung aufgequollen und teilweise aufgebrochen. Spinnweben durchzogen den Raum. Der Teppichboden war zerschlissen und stellenweise durch Tierkot verschmutzt. Bei der Betrachtung des Ortes kamen mir sofort mehrere Gedanken: Faszination, Unwirklichkeit, Unheimlichkeit, Neugier und Unverständnis.
Als ich anfing den Hauseigentümer mit den sich mir stellenden Fragen zu konfrontieren, zeigte er sich belustigt und zugleich erstaunt über meine Begeisterung und mein Interesse. Mir schien, ihm war die Faszination und auch die Abnormalität der Existenz eines solchen Ortes nicht bewusst. Ich bemerkte, dass ich auf meine Fragen über die Bedeutung dieses Raumes und die Tatsache seiner Existenz in diesem Zustand zunächst keinerlei Antworten erhalten würde. Das Wissen um diesen Raum reichte mir nicht, sondern verlangte von mir, eine Form der Sprache zu finden, mit dem Inhalt umzugehen. In meinem Inneren entstanden unmittelbar imaginäre Zeichnungen, Verknüpfungen und der Wunsch, den Zustand des Raumes festzuhalten und zu dokumentieren, um mit dem Wissen und den Gegebenheiten weiterarbeiten zu können. Dass als Resultat ein Künstlerbuch entstehen würde, entwickelte sich erst in den letzten zwei Jahren und nach einem langen künstlerischen Prozess mit verschiedenen Arbeitsphasen. Das Buch ist im Ergebnis für mich die konsequenteste Form der inhaltlichen und formalen Auseinandersetzung mit dem Raum.



KB: Du hast mir erzählt, dass Du zunächst an einer großen Rauminstallation aus Zeichnungen gearbeitet hast, um den ehemaligen Wohnraum der Minna Menz künstlerisch zu reflektieren und in eine neue Form zu bringen. Am Ende hast Du Dich gegen die (Wand-)Zeichnungen und für ein Künstlerbuch entschieden. Warum? Was macht für Dich ein Künstlerbuch aus? Welchen Vorteil hat das Medium Buch Deiner Ansicht nach, um Raum und Zeit, einstigen Lebensraum und heutigen Erinnerungsort hervorzuheben?

GL: Ein Künstlerbuch offenbart enorme Freiheiten im Umgang mit dem Inhalt, der Form und der weiteren Handhabung. Es unterliegt nicht den Prinzipien und der Funktionalität des klassischen Buches, sondern kann ohne gängige Regeln der künstlerischen Sprache angepasst werden. Das Buch ist für mich ein Raum, ursprünglich sogar ein geschützter Raum, dessen Wände durch Aufschlagen der Buchdeckel erst einmal geöffnet werden müssen. Die Möglichkeit, das Buch als eigenen Ausstellungsraum zu sehen, gefällt mir sehr. Das Blättern der einzelnen Seiten hat immer mit Zeit und Zeitfolgen zu tun. Es ist wie eine Reise durch eine Abfolge von Informationen, Abbildungen, Leerräumen usw., die eine gewisse Zeit dauert, sei sie noch so kurz.
In den Wochen nach dem ersten Betreten des ehemaligen Wohnraums kehrte ich häufig zurück und fing an, Teile aus ihm zu skizzieren. Immer wieder zeichnete ich die einzelnen Gegenstände, Raumverhältnisse, Tönungen und Strukturen. Auch fotografierte ich den Raum engmaschig ab. Die Zeichnungen und Fotografien stellten Ausschnitte aus dem Ganzen dar. So fing ich an, mir den Raum und die dortige Atmosphäre zu erarbeiten und ihn 1:1 mit Tusche und Feder auf Karton zu übertragen. Es wuchs der Wunsch, diesen Ort in seiner Form komplett zu bewahren und ihn in einen anderen Kontext zu stellen.
Nachdem die Hälfte des Raumes fertig gezeichnet war, passierte aus damaliger Sicht eine Tragödie. Aus Unwissenheit hatte ich einen Kulissenkarton aus minderwertigem Material gewählt, der aufgrund von wechselnden Witterungsverhältnissen und mehrfachen Atelierumzügen bei einer Präsentation der fertig gezeichneten Bahnen zerfiel. Somit musste ich komplett um- und neudenken. Am Ende eines langen Gedankenprozesses entschied ich mich, die Form des Künstlerbuches zu wählen: für mich in der Auseinandersetzung und im Resultat die perfekte Lösung. Dem ursprünglichen Gedanken, den realen Ort medial zu übertragen und in einen neuen Kontext zu stellen, wurde durch das Buch Rechnung getragen. Es geht sogar noch darüber hinaus, da das Buch und somit der Raum an verschiedene Orte getragen werden kann. Durch die Auflage existiert er zudem zeitgleich an mehreren Orten.

KB: Welche Überlegungen liegen der besonderen Form des verhältnismäßig großen Buches mit seinen unterschiedlichen Papieren, Drucken und Formaten, eingelegten Fotografien und Leinwand-Zeichnungen zugrunde?

GL: Der Raum der Minna Menz misst 4 x 5 m. Das Buch hat die Maße 30 x 40 cm. Alle Zeichnungen sind von mir in der Originalgröße des Buches gezeichnet worden, also entweder 40 x 30 cm oder 40 x 60 cm bei den Doppelseiten und somit ohne Größenveränderung gedruckt worden. Ein Größenverhältnis zu wählen, welches an den Originalraum angelegt ist, ohne diesen exakt wiedergeben zu müssen, erschien mir grundlegend bei der Formatwahl des Buches. Trotzdem sollte es sich gut blättern lassen und nicht unhandlich sein. Es war mir wichtig, das unter diesen Aspekten größtmögliche Format zu wählen. Das Buch ist ein zusammengesetztes Portrait der Hütte. Das Format sollte es möglich machen, einen realen Kopf auf der Fläche abzubilden. Dies erschien mir für das Betrachten der Bildseite als Gegenüber wichtig. Es macht einen Unterschied, ob man eine Fläche betrachtet, die über die eigene Kopfdimension hinausgeht oder ob man unweigerlich den Untergrund, auf dem das Buch liegt, sieht. Die von mir verwendeten Elemente, Träger, Medien und Techniken sind Bezüge auf den Raum und die dort gefundenen Materialien und Gegenstände. Sie spiegeln diese als unterschiedliche Zustandsbeschreibungen, Stimmungen, Durchsichten, Inhalte usw. wider.

KB: Nachdem ich wusste, dass sich das Buch auf einen tatsächlich existierenden, architektonischen Raum bezieht, haben sich die zunächst abstrakten Zeichnungen und Drucke mit den eingelegten Fotografien in meinem Kopf verbunden und es ist ein Bild von einem Ort entstanden, den ich zwar nicht kenne, der aber alle Formen und Bilder aus dem Buch vereint bzw. zusammenfügt. Sind die (gedruckten) Zeichnungen, die an Ausschnitte von Tapeten, Stoffmuster und Wandflächen erinnern, von Dir 1:1 aus dem Raum der Minna Menz übernommen worden? Oder sollte man in Bezug auf die „Bilder“, die Du vor Ort vorgefunden hast, eher von „Momentaufnahmen“ sprechen, die Dich zur künstlerischen Produktion bewegt haben?

GL: Es handelt sich um eine Kombination mehrerer Einflüsse. Zum einen sind Strukturen aus dem Raum 1:1 übernommen worden, zum anderen kann man sehr gut von Momentaufnahmen sprechen, die sich in meiner künstlerischen Auseinandersetzung weiterentwickelt haben. Der Zustand des Raumes, vom Zerfall gekennzeichnet, veränderte sich unaufhörlich. Mit den Linien und Flächen versuchte ich den Raum zu definieren und Verknüpfungen, Vernetzungen, Knotenpunkte, Strukturen, Verbindungen, Raster, Notations- und Gedankensysteme zu schaffen.
Was mich an dem Zustand des Raumes anzog und was ich dennoch nicht wirklich verstand, war der Umgang mit dem Zustand des Bewahrens und gleichzeitigen Belassens. Aus welcher Intention heraus entstand die bewusste oder unbewusste Vernachlässigung der zum Erhalt nötigen Maßnahmen? Um welche Art der Verbundenheit zum Ort handelte es sich bei der Familie, bei mir? Jeder gezeichnete Strich ist eine Erfahrung und eine Entscheidung, genauso wie das Nichtsetzen eines Striches aus einer Entscheidung heraus resultiert. Einen Raum in seinem Zustand zu belassen oder zu bewahren ist ebenfalls eine Entscheidung. Diese Entscheidung gilt für einen Bildraum, z. B. in Form eines leeren oder beschriebenen Blattes Papier, genauso wie für einen leeren oder gefüllten Realraum. Übertrage ich die Informationen eines Raumes in den nächsten, verändere ich diesen durch die Übertragung. Jede Beschreibung füllt ihn, jede Revidierung leert ihn wieder. In jedem Fall wird durch die Veränderung ein neuer Raum geschaffen und der alte Raum wird zerstört oder erweitert.

KB: Das Durchblättern Deines Buches ist nicht nur ein sinnliches Erlebnis für die Augen, sondern ebenso für die Fingerspitzen: Die einzelnen Blätter sind so unterschiedlich in ihrer Erscheinung (Bildsprache und Format) und Haptik (Stärke und Oberflächenstruktur), dass man mit jeder neuen Seite überrascht wird. Mal ist es dünnes halbtransparentes Papier, das zwischen zwei Blättern liegt, mal eine mit einer Zeichnung versehene Leinwand, mal ein vollflächiger Siebdruck in neongelber Sonderfarbe, der ins Auge springt, da das dominierende Farbspektrum des Buches von feinen grau-Abstufungen und schwarz-weißen Fotografien geprägt ist. Was steht hinter dieser künstlerischen Komposition? Wie kam es zu der Anordnung der Blätter und gibt es eine vorgegebene Leserichtung?

Foto: Dorothea Heinrich

GL: Bei der Anordnung der Seiten und Materialien habe ich unterschiedliche Aspekte beachtet. Das Thema Zerfall und Auflösung habe ich versucht in der Reihenfolge der Zeichnungen zu verstärken. Die ersten Zeichnungen sind für mich die konkretesten Umsetzungen bezüglich des Raumes. In ihnen sind die vorgefundenen Strukturen, Elemente und Zustände direkt aus der Hütte enthalten. Im Verlauf des Buches lösen sich die konkreten Bezüge immer weiter auf.
Als roter Faden zieht sich das Quadrat durch das Buch. Es taucht als einzelnes großes Quadrat und in unterschiedlichen Rastergrößen in den Zeichnungen, Siebdrucken und den beiden eingelegten transparenten Millimeterpapieren auf. Da der Trägerstoff aller Zeichnungen Leinwand ist, kommt die Struktur nicht nur in der Originalzeichnung, sondern auch in den Offsetdrucken zum Vorschein. Die Wahl für das Quadrat liegt in der Leinwandstruktur begründet, die zugleich ein Verweis zur Architektur ist: Gottfried Semper schreibt die Entstehung der Wand der Textilkunst, genau den Mattenflechtern und Teppichwirkern, zu. Flechten ist für mich eine zeichnerische Tätigkeit. Auch hier geht es um die Beschreibung und Einteilung von Flächen und Linien. Die Überlegungen Gottfried Sempers und die daraus resultierenden Bezüge sehe ich als Grundlage für die Untersuchungen in meiner Arbeit, mich dem Raum durch die Zeichnung zu nähern, auch in dreidimensionaler Form.

Ich zeichne hauptsächlich in schwarz, weiß oder Grautönen mit Bleistift, Graphit, schwarzer Tusche, Graphitwachs, Fäden oder Peddigrohr. Abgesehen von dem naturfarbenen Peddigrohr bleibe ich in diesem Farbspektrum. Bei dem Buch wurde die Verwendung von Farbe im Ablauf und den wechselnden Papieren plötzlich sehr wichtig. Die Farbe symbolisiert für mich die Zeit. Ich wählte das Silber für die Siebdrucke, da es für mich die Farbe ist, die am dichtesten am Graphit angesiedelt ist. Durch die silbernen Seiten wollte ich eine Ruhe erzeugen. Das Silber steht für die unbemerkten Veränderungen des Raumes in den Zwischenzeiten. Das Neongelb ist für mich die Farbe schlechthin für das Jetzt und somit als ein ganz konkreter Verweis zum Heute zu sehen. Die unterschiedlichen Materialien bzw. Papiere im Buch sind Verweise auf vor Ort gefundene Materialien. So bezieht sich beispielsweise die Folie auf die Durchlässigkeit und Transluzenz des Raumes und das beigefarbene Seidenpapier auf die Zeit als auch die gesamte Holzverkleidung des Ortes. Die pro Exemplar unterschiedliche Originalzeichnung unterstreicht die ständigen Zustandsveränderungen des Raumes. Die transparenten Millimeterpapiere beziehen sich zum einen konkret auf Architektur und Raum und zum anderen geben sie den Halt, ohne den eine Auflösung nicht stattfinden kann. Die Fotos sind die konkretesten Verweise auf den Ort, da sie Details preisgeben, auch wenn diese nicht fassbar sind. Die Reihenfolge der unterschiedlichen Drucke und Materialien soll den Blick beim Betrachten des Raumes aufgreifen.
Sicherlich gebe ich die Betrachtungsreihenfolge in klassischer Hinsicht vor, indem das Buch einen Umschlag als auch einen Buchblock hat. Trotzdem ist ein Blättern in der eigenen Geschwindigkeit und in einer anderen Reihenfolge wie aus der Mitte heraus oder von hinten nach vorne möglich, ohne dass sich der Inhalt komplett auflöst.

KB: Ich selbst bin beim Lesen Deines Buches immer wieder vor- und zurückgesprungen, um die einzelnen Blätter miteinander in Bezug setzen zu können. So hatte ich das Gefühl, tatsächlich durch eine (Blätter-)Sammlung zu stöbern… und zwischendurch fiel mir ein lose eingelegtes Foto in die Hand, wie in einem alten Familienalbum, in dem der Klebstoff nach Jahrzehnten die Bilder nicht mehr hält und man sich fragt, wer oder was nun eigentlich auf den Fotografien zu erkennen ist, wenn Beschriftungen fehlen oder nicht mehr den Bildern zuzuordnen sind. Welche Rolle spielen für Dich die Fotografien und was macht für Dich das Künstlerbuch zu einer Sammlung bzw. der „Sammlung“ Minna Menz? Begreifst Du das Buch hier als eine Art persönliches Archiv?

GL: In dem Raum der Minna Menz ist seit Jahrzehnten die Sammlung ihrer persönlichen Gegenstände, Möbel und Kleidung enthalten. In den Jahren der Auseinandersetzung mit diesem Raum versuchte ich immer wieder Zustände zu definieren, die sich jedoch sofort wieder auflösten. Es ging also um die Untersuchung von Räumen zwischen Zuständen und die ständige Überprüfung von deren Existenz und natürlich ging es existentiell um die Zeit. Durch die entstandene Anzahl an Zeichnungen und Fotografien, die über die Jahre als Dokumentation dieser Zustandsbeschreibungen angesehen werden können, habe ich versucht, den Raum festzuhalten, um ihn aufgrund der Unmöglichkeit dieses Vorhabens im nächsten Moment wieder loszulassen. Die Zeit scheint auf den ersten Blick stehengeblieben zu sein, jedoch schafft sie einen sich dauerhaft verändernden, eigenen Organismus.
Das Buch Sammlung Minna Menz ist ein Behältnis, in dem das Fazit aus meinen Überlegungen, Gedanken, Elementen, Zeichnungen und Fotografien enthalten ist. Der Inhalt ist die ausgewählte Essenz, um ein Portrait des Raumes fertigen zu können. Daher gehören die eingelegten Fotografien als fester Bestandteil dazu. Sie können aber sicherlich die Seiten wechseln und an einer anderen Stelle neu eingebracht werden. Dadurch werden wieder neue Bezüge erstellt, neue Gedanken und Sichtweisen können entstehen. Sammlung passt für mich als Begrifflichkeit besser als Archiv. Mit dem Begriff Archiv verbinde ich ein Ordnungssystem oder zumindest ein Archivierungssystem. In diesem Sinne gab es in meiner Auseinandersetzung keine Regeln zur Übersichtlichkeit. Es ist eher eine Anzahl von unterschiedlichen Untersuchungen, Ansätzen und Beschreibungen aus Zeichnungen und Fotografien.

Gesa Lange wurde 1972 in Tongeren, Belgien geboren. 2004 absolvierte sie ihr Diplom in Illustration und Kommunikationsdesign im Fachbereich Gestaltung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg. Ihren Master of fine arts an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg begann sie 2010. Ein Jahr später, im August 2011, erhielt sie eine Professur für Zeichnen im Department Design an der HAW Hamburg, in der sie seither lehrt. Ihren Master of fine arts absolvierte sie im Juli 2016.

www.gesalange.de, post@gesalange.de

Und hier gibt es einen Video-Einblick ins Buch:
http://gesalange.de/aktuelles/

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